Teil 2:

A: Irgendwann in einigen 1000 Jahren wird vielleicht ein Evolutionsbiologe sagen: Wir stammen nicht von Menschen ab, die Grüne Smoothies getrunken haben. Also, wenn, dann sollte man es richtig machen und eine breite Palette von effektiven Maßnahmen zusammenstellen. Samen und auch Blätter enthalten die höchste Konzentration an Allergenen und Toxinen. Blattgemüse sollte man auf jeden Fall gut kochen, so wie man das traditionell beim Grünkohl macht. Spinat leicht blanchieren oder bißfestes Gemüse, ist völliger Unsinn, das haben die Fernsehköche erfunden.

F: Die schonende Zubereitung soll wichtige Vitamine erhalten.

A: Eine optimale Verdauung hat Priorität. Wenn bei ein paar hitzelabilen Vitaminen wie Folsäure ein Schwund auftritt, dann kann man das andersweitig kompensieren. Aber ich bezweifle, daß das relevant ist. Ich mache seit über 30 Jahren Selbstversuche mit Mikronährstoffen und habe fast alles durch, aber die Vitamine beachte ich bis auf ein paar grundsätzliche Dinge kaum noch. Der Biochemiker Norman Pirie hat sich so um 1950/60 intensiv damit beschäftigt, wie man das Blattprotein von den unerwünschten Bestandteilen abtrennen kann. Die Milchkuh macht aber auch nichts anderes. Aus dem Grünzeug das Protein, Zucker, Calcium und Mikronährstoffe anreichern, sowie eigenes Fett aufbauen. Das ist schon eine gewaltige Leistung. Dafür muß ein Chemiker lange kochen. Aus dieser Wertschätzung heraus sind die Kühe in Indien heilig.

F: Gemessen am Milchpreis, gibt es bei uns nur „dumme“ Kühe. Heilig ist nur der Lebensmittelhandel, der dieses Naturprodukt zum billigen Lockartikel verkommen hat lassen.

A: So ist das, wenn alles für selbstverständlich genommen wird. Um mit unserem Maßnahmenpaket weiterzumachen, Peat schreibt, daß die Halbwertzeit der Körperfette 600 Tage beträgt. Er hat hochgerechnet, daß es bei Übergewichtigen 3-4 Jahre dauert, eine konsequent geführte Ernährung vorausgesetzt, bis man das instabile Material weitgehend ausgeschieden hat. Schlanke Menschen schaffen das aber sicher schneller.

Die hochungesättigten Fettsäuren systematisch abzubauen bringt effektiv etwas bei Stress, Infektionsrisiko, Alterungs- und Degenerationsprozessen usw. Man hat nachgewiesen, daß Tiere die einen Mangel an essentiellen Fettsäuren aufweisen, schockresistent sind und länger leben. Der Nacktmull lebt 10x solange wie ein Nager mit gleichem Gewicht. Ihr Anteil an hochungesättigten Fettsäuren im Gewebe ist um ein vielfaches niedriger als bei Ratten, die nur 2-3 Jahre leben. Außerdem ist der CO2-Gehalt in den Erdhöhlen auf bis zu 5% erhöht. Bei den Bienen ist es so, daß die Königin in einer Kammer mit etwa 0,2 bis 5% CO2 gehalten wird. Mit steigendem CO2-Gehalt, den die Arbeitsbienen einstellen, wird die Eiablage intensiviert. Bemerkenswert ist, daß der hohe CO2-Gehalt gegen den Dunkelstress schützt. Es gibt eine Analogie zum menschlichen Schlaf. Gegen Ende der Nacht nehmen die Stresshormone zu. In dieser Schlafphase nehmen aber auch die REM-Phasen zu, die Atmung verlangsamt sich und CO2 im Gewebe steigt an. In dieser Phase werden Stammzellen aktiviert und neue Mitochondrien gebildet. Das zeigt auch, wie wichtig eine gesunde Schlafarchitektur für die Regeneration ist. Der Embryo wächst in der Gebärmutter übrigens unter gleichen Bedingungen: Dunkelheit und ein hoher CO2-Gehalt im Gewebe.

F: Wenn man Deine Aussage weiter denkt, dann hätte die Klimaerwärmung auch Nützliches zu bieten.

A: Weltklima - was soll das sein? Wenn ich die genannten Fakten zugrunde lege, dann ist der aktuelle CO2-Gehalt der Atemluft mindestens um den Faktor 100 zu niedrig. Bei den Pflanzen weiß man, daß CO2 der limitierende Faktor ist. Wir haben uns mehr schlecht als recht an diesen niedrigen CO2-Pegel angepaßt. Vor einiger Zeit habe ich einen Vortrag vor einer Delegation einer renommierten Chinesischen Anti-Aging-Klinik gehalten. Diese Leute waren hier, um zu Shoppen und für beträchtliche 6-stellige Summen Stammzellen einzukaufen. Ich habe auf die Bedeutung des CO2 als natürlichen Stammzellaktivator hingewiesen und, daß der Kauf der Stammzellen reine Geldverschwendung sei. Da haben sich selbst bei den immer freundlichen Chinesen die Gesichter verzogen.

F: (lacht) Du bist aber auch ein Spielverderber. Ich lese bei mir zuhause regelmäßig die Kirchenpost und staune, wie alt die Verstorbenen im Schnitt schon geworden sind. Ich kann mir vorstellen, daß wir da der Klima-CO2-Diskussion einen frischen Impuls geben könnten. Mehr CO2 und gesättigte Fette für ein effektives Anti-Aging?

A: Richtig. Wenn ich den Faktor 10 wie bei Nacktmull und Ratte zugrunde lege, dann komme ich bei einer aktuellen Lebenserwartung von 75 Jahren auf 750 Jahre. Nimmt man die biblischen Texte, dann wurde der Methusalem 969 Jahre alt. Ich nehme an, daß die Angabe stimmt. Im Kontext unserer heutigen Verhältnisse ist das natürlich nicht interpretierbar. Die Hayflick-Hypothese mit den Telomeren, die wie eine Zündschnur  abbrennen, war eine Idee, die in das Konzept der Genetiker paßte. Aber eben falsch. Stell Dir vor, die Leute arbeiten bis 67, kommen auf den Trichter, wie das geht und beziehen dann noch 700 Jahre Rente. Dann kollabiert das Rentensystem.

F: Dann haben wir griechische Verhältnisse. Plato und Aristoteles sollen ja noch immer Rente beziehen.

A: (lacht) Alexis Sorbas auf jeden Fall. Aber wieder zurück zum Thema. Letztens ist mir in der Sauna klar geworden, daß ungesättigte Fettsäuren zur erhöhten Hitzeempfindlichkeit führen. In der Sauna hat man ja tropische Bedingungen. Frauen, die im Durchschnitt einen höheren Körperfettanteil und deshalb mehr ungesättigte Fettsäuren im Körper haben, sitzen in der Regel immer weiter unten, weil sie weniger Hitze vertragen.

F: Gut beobachtet.

A: Im Sport ist das auch relevant. Nehmen wir den 100m-Sprint. In Kürze werden in Brasilien die Olympischen Spiele stattfinden. Hast Du eine Idee, was für einen 100m-Sprinter leistungslimitierend ist?

F: Die Schnellkraftwerte oder sowas.

A: Nicht wirklich. Aus meiner Sicht die Wärmeentwicklung des Gehirns. Der Usain Bolt aus dem tropischen Jamaika hat durch seine Ernährung mit heimischen tropischen Produkten einen wesentlich geringeren Anteil labiler ungesättigter Fettsäuren im Gewebe, dadurch ist die energieerzeugende Cytochrom-Oxidase aktiver, durch das CO2 die Proteine stabiler und das Zellwasser strukturell kälter. Das bedeutet, daß er noch beschleunigen kann, wenn die europäischen Mitbewerber schon heißlaufen, weil sich das Cytoplasma dem kritischen Wert nähert.

F: Aber wieso läuft das Hirn heiß und nicht die Muskeln?

A: Weil die Gehirnzellen eine wesentlich höhere Mitochondrienmasse aufweisen. Oder hast Du schonmal einen Radrennfahrer bei einer Hitzeetappe bei der Tour-de-France gesehen, der sich Wasser über die Beine geschüttet hat? Das Gehirn verbraucht bei 2% Anteil am Körpergewicht schon im Normalmodus 20-25% der Gesamtenergie und 60% der Glukose. Das Gehirn ist dadurch der Hauptproduzent des CO2.

F: Auch bei den Prüfungen auf der Uni ist mir oft aufgefallen, dass die Prüflinge ganz schnell am Kopf zu schwitzen anfangen. Vielleicht sollte man unmittelbar vor einer Prüfung den Kopf in kaltem Wasser untertauchen um bessere Noten zu erreichen.

A: In der Sportwissenschaft sind diese Zusammenhänge unbekannt. Das Verbesserungspotential sieht man heute überwiegend in DDR-Planwirtschaftsmanier im steigern des Trainingsumfangs, bis die Sportler kaputt sind, und in Leistungsdiagnostiksystemen, die das Training effizienter machen sollen. Man zerlegt z.B. den 100m-Lauf in Teilstrecken von 10m und analysiert dann die Zeiten und ermittelt Beschleunigungsverläufe, um Teilleistungen zu trainieren. Aber ich sehe nicht, daß dadurch in Deutschland jemand schneller gelaufen ist als Armin Hary 1960. Wie Hary trainiert hat, kann man in seiner Autobiographie nachlesen. Wir werden uns das in Rio genau anschauen und aufdröseln. Ohne unken zu wollen, ich vermute, daß der beste deutsche Olympiatourist im Vorlauf mit etwa 10,27 Sekunden ausscheiden wird.

F: Wäre es aber nicht an der Wissenschaft, sich dieser Sache anzunehmen? Wo sind denn sonst noch große Verbesserungsfelder in Sicht?

A: Sport ist zum Großteil ein Cargo-Kult. Das bedeutet, dass Vieles, was man sich da ausdenkt und macht, kaum einen Einfluß auf das gewünschte Resultat hat. Ebenso trifft das auf die sogenannte Sportpsychologie zu. Mentaltraining, Angstbewältigung – das ist alles ineffiziente Beschäftigungstherapie. Ein ganz findiger Sportpsychologe hat sich ausgedacht, daß man bei den Biathleten die Reaktionsschnelligkeit mit einer Vorrichtung mit zufällig aufleuchtenden Feldern trainieren könnte. Aber letztlich hängt die Reaktionsfähigkeit von der Schilddrüsenfunktion ab und damit von der Ernährung. Um da etwas auszurichten, muß ich die ganzen Ernährungsfaktoren und Antimetaboliten kennen.    

F: Dann stimmt der Spruch also doch: „Du bist, was du isst“. Man könnte ja auf die Idee kommen, wenn man den Olypiasieger schlagen wollte, seinem Essen täglich einen Esslöffel Leinsamenöl unterzumischen und schon wird der schnellste Mann besiegbar. Das wäre dann wohl so etwas wie „negatives Doping“. Mit anderen Worten, liegt in der richtigen Ernährung noch ein erhebliches Leistungspotential?

A: Die Limits kann man nur da pushen, wo sie auch sind. Es wird viel gepusht, wo nichts rauszuholen ist. Der Fußballverband z.B. überläßt das leistungsbestimmende Thema Ernährungsphysiologie einem Koch. In einem Youtube-Video mit dem einem bekannten Entertainer fachsimpelt der Koch über die Vorzüge von abgelagertem Fleisch. Dieses verdorbene Material ist allerdings ein Cocktail allerlei toxischer stressinduzierender Substanzen, von reaktiven Sauerstoffspezies, Polyaminen bis zu den Fettsäureabbauprodukten. Bei Leistungssportlern, die am Limit agieren und regenerieren, wirkt sich das natürlich erheblich aus. Und dann rätselt man bei der EM über Verletzungen und Abschlußschwäche. Soweit ich weiß, bietet dieser Mann auf seiner Webseite sogar Ernährungsoptimierung für Sportler an.

F: Na bravo. Wie lässt sich denn die Abschlussschwäche vermeiden? Das interessiert jetzt sicherlich viele Sportler.

A: Nun, der Torschuß ist der Wettkampf des Angreifers mit dem Abwehrspieler oder dem Torwart. Biologisch und abstrakt betrachtet ist es der Wettkampf zweier Energiegewinnungsraten. Wenn Abwehrspieler oder Torwart eine höhere Energiegewinnungsrate haben als der Angreifer, dann wird der Angreifer sicher scheitern. Entweder indem er nur ein mehr oder weniger müdes Schüßchen abgibt oder der Schuß zu ungenau ist. Der Faktor Angst kommt auch noch dazu, das hängt mit Laktat und Serotonin zusammen. Die Zelle befindet sich in der „panic attack condition“, wie Peat es ausdrückt. Beim Trainer führt Serotonin dazu, eher auf die Vergangenheit zu setzen, als auf die Zukunft. An diesen verschiedenen Stellen muß ich ansetzen und nirgendwo sonst.

Ein Beispiel für eine durchgehend hohe Energiegewinnungsrate war das 2:1-Siegtor des Kroaten Perisic in der Verlängerung eines KO-Spiels gegen Spanien bei der EM: Ein unglaublicher 60m Sprint, dann die Ballannahme und der Torschuß.

F: Heißt das, dass leistungsoptimierende Ernährung Talent ersetzt? Das hätte ja weitreichende Konsequenzen, gerade für Vereine mit kleinen Budgets. Denn der Regelfall sieht ja so aus, dass man immer Ausschau nach Stürmern hält, die gerade mehr Tore schießen als andere.

A: Das kann man so nicht sagen, aber es kompensiert. Eine solide Technik auf hohem Niveau muß natürlich da sein. Die simple Strategie, die talentierten Spieler wegzukaufen, begründet die Preisspirale im Profifußball. Wesentlich billiger und effizienter wäre es, die Spieler, die schon da sind, auf eine hohe Oxidationsrate hin zu optimieren. Das geht natürlich nicht mit einer „gesunden und abwechslungsreichen Ernährung“ und Mainstream-Supplementen. Außerdem muß man, um überhaupt mit Erfolg supplementieren zu können, erstmal die Ernährung beherrschen.

F. Kannst Du den erzielbaren Effekt beziffern?

A: Das kann man sich ausrechnen, wenn man alle Spiele einer Saison anschaut. Wieviel Torchancen wurden vergeben, wie hätte das Endergebnis ausgesehen, wenn die Chancen genutzt worden wären. Das muß letztlich der Trainer machen, der hat jedes Spiel vor dem geistigen Auge. Die Mehrzahl der Spiele geht meiner Wahrnehmung nach dem Ergebnis nach knapp aus. Ich muß lachen, wenn ich den Satz höre, die Mannschaft X hat überlegen mit 1:0 gewonnen. Und wie groß ist eigentlich der Unterschied zwischen überlegen und unverdient 1:0 gewinnen? Die Reserven sind aus meiner Sicht erheblich. Die „kleinen“ Mannschaften werden aber nicht besser als die „großen“, weil sie immer nur die „Großen“ nachmachen und den Mangel an Geld beklagen, anstatt innovativ zu sein. Der letzte, an den ich mich erinnern kann, der es drauf hatte, mit beschränkten Mitteln das Maximale zu erreichen, war Otto Rehagel.

F: Alles redet vom Flow. Wo muß man in diesem Zusammenhang den Flow einordnen?

A: Ich habe mich intensiv mit dem Flow befaßt und Flow-Formulierungen entwickelt und auch mit Erfolg bei Weltmeisterschaften zum Einsatz gebracht. Der Entdecker Czikszentmihalyi hat sich dem Flow phänomenologisch über die Untersuchung der Rahmenbedingungen genähert. Die Sportpsychologie hat den Flow dann weitgehend mystifiziert. Dort ist Flow lediglich eine Phrase. Ich habe nach der physiologischen Grundlage gesucht und gefunden, daß für den Flow ein extrem hoher cerebraler Energielevel charakteristisch ist.

F: Also ist der Flow-Zustand zuverlässiger über die Physiologie als über die Psychologie zu erreichen.

A: Das von den Flow-Leuten  vorgeschlagene Vorgehen zäumt das Pferd von hinten auf. Man imitiert den Flow, um ihn hoffentlich zu erreichen.  Das entspricht einem Ritual.

F: Okay. Lass uns nach dem interessanten Exkurs in den Sport vielleicht zum Abschluss nochmal weitere Aspekte der ungesättigten Fettsäuren anschneiden.

A: Etwas Aktuelles ist der Sonnenschutz, wenn die Leute jetzt in den Sommerurlaub fahren. Die instabilen ungesättigten Fettsäuren in der Haut bilden einen Angriffspunkt für die UV-Strahlung. Neben dem physiologischen Bräunungspigment Melanin aus der Aminosäure Tyrosin, bildet sich auch das braune Alterspigment Lipofuscin aus Zerfallsprodukten der PUFA. Selbst bei Schafen, deren Körperfett sonst relativ gesättigt ist, findet man in der äußeren Hautschicht unter dem Fell vermehrt ungesättigte Fettsäuren. Beim Sonnenschutz sollte man darauf achten, daß man sich nicht noch Produkte mit Sonnenblumenöl auf die Haut schmiert, sondern Kokosöl oder Olivenöl.

F: Wie sieht das mit den Augen aus? Die sind ja von den Sonnenstrahlen immer betroffen. Reichern sich auch hier ungesättigte Fettsäuren in der Netzhaut an?

A: Das ist so. Die Lichtempfindlichkeit und Schäden nehmen dadurch zu. Man sieht die Leute heute viel mit Sonnenbrillen herumlaufen. In meiner Jugendzeit war das noch deutlich weniger verbreitet.

F: Ich würde noch gerne das Cholesterin-Thema anreißen. Die Menschen haben richtig Angst vorm Cholesterin. Glauben, je niedriger der gemessene Wert, desto gesünder. Was hat es aus Deiner Sicht mit dem cholesterinsenkenden Effekt von Omega-3-Fetten auf sich?

A: Alles was den Cholesterin-Spiegel unphysiologisch senkt und die Synthese hemmt, erhöht das Krebsrisiko, z.B. Statine, Omega-3-Fettsäuren und viele weitere Toxine. Cholesterin ist ein fundamentales Antitoxin und Antioxidationsmittel und gehört zu den biologisch ursprünglichen Schutzsystemen. Der Körperbestand liegt bei ca. 140g. Nach dem Krieg, sagte mir mal ein alter Arzt, hat man nach Infektionskrankheiten zur schnelleren Regeneration noch Lipochol 3000mg intravenös gespritzt. Ältere Menschen mit niedrigem Cholesterinspiegel haben eine kürzere Lebenserwartung.

Cholesterin wurde ab den 1950ern zusammen mit den gesättigten Fettsäuren für Atherosklerose verantwortlich gemacht. Basierend darauf wurde dem Cholesterin der Kampf angesagt. Was ein Problem macht, ist oxidiertes Cholesterin. In den 1970ern ist mal jemand draufgekommen, daß wahrscheinlich viele Experimente mit kommerziellem Cholesterin gemacht wurden, welches oxidiert und dadurch toxisch war. Das führt natürlich zu ganz anderen Ergebnissen. Wenn man beispielsweise Lachs zubereitet, dann bekommt man beim sogenannten werterhaltenden Dampfgaren oder dem moderaten Fertiggaren im Backrohr bei unter 80°C - ich glaube ein Fernsehkoch propagiert das - mehrfach höhere Werte an Oxy-Cholesterin als beim raschen Braten in der Pfanne. Dazu wird dann passend gereicht kurz gegartes noch bißfestes saisonales Gemüse mit Allergenen und Toxinen, daß die Endotoxinbildung ordentlich anfährt.

F: Wie ist Deine Meinung zu den hochgepriesenen Fischöl-Kapseln. Die werden ja gerne werdenden Müttern empfohlen, weil es die Hirnentwicklung im Embryo fördern soll?

A: Das hat eine Forschungsgruppe auch gedacht und eine Studie gemacht. Heraus kam, daß die Hirnentwicklung zurückgeblieben war und die kognitiven Leistungen später schlechter waren. Aus Tierversuchen ist das aber schon seit Jahrzehnten bekannt. Ich würde dazu gerne mal das Gutachten der Ethikkommission sehen. Ich meine, das Studiendesign muß von einem halben Dutzend Fachleuten unterschrieben werden.

F: Und dennoch werden diese Mittel im großen Stile beworben und vermarktet. Ist das nicht Körperverletzung?

A: Ja, aber der Embryo ist gottseidank gegen die Aufnahme von hochungesättigten Fettsäuren über die Placenta geschützt, nimmt also keine Omega-3-Fettsäuren auf, sondern bildet aus dem aufgenommenen Zucker eigene Omega-9-Fettsäuren. Man hat bei Neugeborenen und bei Kälbern - in der Tierernährung ist das im allgemeinen viel besser untersucht - einen extremen Mangel an essentiellen Fettsäuren festgestellt und daraus abgeleitet, man müsse das durch Anreicherung der Babynahrung mit Omega-3 dann möglichst schnell beheben.

F: So zieht ein Irrtum den anderen nach sich. Damit ja keine Intelligenz aufkommt. Bitte erklär an dieser Stelle den physiologischen Mechanismus. Ich bin davon überzeugt, es kann vielen eine wichtige Hilfestellung sein.

A: Die PUFA und Estrogen fördern sich gegenseitig und Estrogen interferiert mit der Zuckerversorgung des Embryos. Weniger Zucker bedeutet weniger CO2. Der Physiologe Peat hat das in seinen Arbeiten schon um 1970 gezeigt. Bei zu niedriger Zuckerversorgung sinkt beim Embryo die Teilungsrate der Hirnzellen. Man hat das bei Hühnerembryos nachgewiesen. Irgendwann ist der Glukosevorrat im Ei aufgebraucht und dann ist auch das Hirnwachstum zu Ende. Wenn man aber an diesem Punkt wieder Glukose ins Ei injiziert, dann wird das Gehirn des Kükens größer, als es unter Normalbedingungen jemals werden würde. Auch wenn das Gehirn mal ausgewachsen ist, dann ist Zucker der limitierende Faktor für die Hirnleistung. Das hat ja auch Achim Peters mit seinen Arbeiten in den letzten 10 Jahren nachgewiesen: Streßinduzierter Zuckermangel im Gehirn als wesentliche Ursache für Übergewicht. Zur gleichen Zeit hat man einen Paradigmenwechsel in der Adipositas-Forschung verkündet: Der Adipozyt im Zentrum des Geschehens. Etwa im 6. Monat hat die Zellzahl im Embryogehirn das Maximum erreicht. Bis zur Geburt wird dann etwa die Hälfte der Hirnzellen wieder eingeschmolzen. Wenn man an dieser Stelle durch die Ernährung mit einer optimalen Zuckerversorgung des Embryos einsetzt, z.B. durch Honig über den Tag verteilt, dann kann man diesen Schrumpfungsprozess eindämmen und der Säugling kommt mit einem größeren Gehirn und der berechtigten Aussicht auf eine höhere Intelligenz zur Welt. Das sind dann Menschen, die mit den Problemen fertig werden, die da noch auf die Menschheit zukommen und die den Unsinn durchschauen. Natürlich muß man die anderen Antimetaboliten auch noch beachten. Man hat gefunden, daß leichte Diabetikerinnen Kinder mit höherem Hirngewicht zur Welt bringen, die dann später intelligenter sind.

F: Das ist ein wichtiger Hinweis, dass das Hirnpotenzial bereits im Embryo fix und unveränderbar angelegt wird. Nach der Geburt muss man sich damit zurechtfinden, womit man gekommen ist. Das ist schon eine harte Realität. Die Sache mit der Hirnentwicklung wirkt sich später sicher massiv auf die schulischen Leistungen aus. Auf unseren Schülern lastet heute schon ein enorm hoher Druck. Ich sehe das bei meinen 2 Buben. Die Nachhilfeinstitute schießen aus dem Boden, wie die Schwammerl. Wie siehst Du das?

A: Ich kenne die schulische Problematik, weil ich mal 2 Jahre lang Nachhilfelehrer für naturwissenschaftliche Fächer war. Heute rennen einige Leute herum, die über unser Schulsystem schimpfen, das sei nicht kindgerecht, zuviel Unnützes was man später nicht mehr braucht, es müsse reformiert werden. Projektarbeiten sind der Schlüssel zur Motivation des Schülers. Aber meines Erachtens haben diese Leute das Problem nicht erkannt. Es fehlt den Kindern an cerebraler Energie und das ist wieder dieser ganze Komplex, von dem wir heute sprechen. Bei diesem ADHS-Syndrom läuft der Energiestoffwechsel der Kinder auf Adrenalin, weil die Energetisierung über die Schilddrüse nicht funktioniert. Das hatten wir auch schon. Um es mit einem Bild von George Crile auszudrücken: Das Gaspedal funktioniert nicht, deshalb fahre ich gleich mit dem Turbo. Und wenn ich dann noch Omega-3 gebe, dann wird kein Schilddrüsenhormon mehr transportiert. Du siehst also, das ist alles gröbster Unfug. Was da an Symptomen für Omega-3-Mangel genannt wird, ist in Wirklichkeit durch Omega-3 verursacht. Mit Omega-3 in der Schwangerschaft, in der Säuglingsnahrung und Kinderernährung produziert man Dorfdeppen. Wenn man das genetische Dogma geistig überwindet, dann sind die Aussichten garnicht so schlecht, wenn ich durch eine dynamische Ernährung den Energielevel hochhalte. Dadurch kann ich immer etwas tun.

F: Ein in Sportkreisen renommierter Ernährungsexperte, der Bücher wie am Fließband schreibt, spricht von fettschlauer Ernährung. Da sollen Omega-3-Fettsäuren gut bei Entzündungsprozessen, z.B. in den Gelenken sein. Was haltest Du davon?

A:  Man kann Leistungssportler über Jahre erfolgreich auf der Stressachse fahren lassen, bis der Niedergang kommt. Der Mensch hält ja viel aus. Im Leistungssport fällt das unter dem Strich auch kaum auf, weil immer irgendwer gewinnt. Deshalb ist Sportreporter auch ein dankbarer Beruf. Man hat immer einen Sieger zu bejubeln, ohne daß man selbst etwas leisten muß. Also bei den Entzündungsprozessen bringen Fischöle kurzfristig etwas, weil die Abbauprodukte anti-inflammatorisch wirken. Langfristig wirken sie immunsuppressiv und desaströs, weil ohne hohe metabolische Energie die Strukturen über den Jordan gehen. In der Transplantationsmedizin hat man schon in den 1970er Jahren herausgefunden, daß Omega-3-Fettsäuren bei Organtransplantationen immunsuppressiv wirken. Dort wird das eingesetzt, um Abstoßungsreaktionen zu verhindern. Man verabreicht z.B. täglich 20g einer Mischung von Linolsäure und Linolensäure intravenös.

F: Schon seit einigen Jahren wird das Krillöl hochgelobt. Zu Recht, oder handelt es sich wieder einmal nur um alten Wein in neuen Schläuchen?

A: Das ist auch nicht weniger toxisch als das Fischöl. Der Krill ist ein planktonfressender Kleinkrebs aus der Antarktisregion. Also auch ein Kaltwasserorganismus.

F: Wir haben bisher interessante Themen angerissen und teilweise vertieft. Zum Abschluss würde ich Dich gerne, der besseren Übersicht wegen, bitten, die wesentlichen Wirkungen der mehrfach ungesättigten Omega-3 und 6-Fettsäuren nochmal zusammenzufassen?

A: Die PUFA  interferieren mit dem oxidativen Metabolismus. Einmal über die Schilddrüse und direkt über die Mitochondrienfunktion. Es wird weniger CO2 produziert und dadurch werden die Proteinstrukturen labil und das Zellwasser strukturell wärmer. Irgendwann fährt auch die ineffiziente Milchsäurebildung an, Milchsäure ist pro-inflammatorisch. Mit weniger CO2 werden statt Harnstoff verstärkt Polyamine produziert, die zusammen mit den PUFA und Estrogen wirken. Unbrauchbare Proteine werden weniger effizient entfernt, weil auch die Proteasen gehemmt werden. Dadurch entstehen die Demenz-assoziierten Proteine, während das Alterspigment Lipofuscin direkt die Abbaufragmente der PUFA involviert. Omega-3- und 6-Fette werden bei Stress bevorzugt aus dem Fettgewebe freigesetzt und blockieren über den bekannten Randle-Effekt, bekannt seit den frühen 1960ern, die Glukose-Oxidation, später werden die Mitochondrien geschädigt. Das ist ein wesentlicher Faktor für den Diabetes 2 und Übergewicht. Omega-3-Fettsäuren wirken über die Abbauprodukte kurzfristig entzündungshemmend, langfristig immunsuppressiv. Omega-6-Fettsäuren sind nur toxisch. Der Körper bildet sich aus Zucker selbst die Omega-9-Fettsäuren. Die chemisch inerten gesättigten Fettsäuren wirken als Quencher und bremsen Entzündungsreaktionen und Stress. Das ist das Wesentliche in aller Kürze.

F: Was kann jeder von uns machen, um sich vor diesen ungünstigen Folgen zu schützen? Wir hatten das Maßnahmenpaket für das Methusalem-Projekt schon andiskutiert.

A: Wir essen im Grunde nur das, was uns - wer auch immer - vorsetzt, die Mutter, die Frau, die Industrie etc. Deshalb haben wir nichts anderes, als einen gewissen Grad von Anpassung. Das sagt aber nichts darüber aus, wie weit die Bedingungen vom Optimum entfernt sind. Man sollte sich deshalb von verschwommenen Vorstellungen von gesunder, abwechslungsreicher und ausgewogener Ernährung,  Ernährungspyramiden und anderen Ideologien, die keine wissenschaftliche Basis haben, verabschieden. Die wesentliche Grundlage für organisiertes Leben und Bewußtseinsentwicklung ist die mitochondriale Energieproduktion. Hierfür ist die Schilddrüsenfunktion wesentlich. Bei uns in Bayern waren die Leute mit der Schilddrüsenunterfunktion traditionell die Dorfdeppen. Also, die Dinge, die Antimetaboliten, die mit der Schilddrüsenfunktion und mitochondrialen Energieproduktion interferieren, müssen eliminiert werden. Das sind, wie ich hoffentlich plausibel machen konnte, die mehrfach ungesättigten Fettsäuren aus den Samenölen und die Fischöle. Wo soll ein gesunder Entzündungslevel liegen? Selbst eine „silent inflammation“ ist nicht gesund. Die verträglichen Fette sind das Milchfett und dessen Produkte, also Butter, Käse usw., die tropischen Fette, wie Kokosöl und Kakaobutter und in Maßen das mediterane Olivenöl, zum Kochen Butterschmalz und das bewährte Palmin. Pflanzensamen konzentrieren Antimetaboliten und Toxine und sollten minimiert werden. Weiche Samen wie z.B. Tomatensamen enthalten einige wirksame Allergene und werden relativ leicht zerkaut. Kleine harte Samen mit fester Schale, wie bei Beerenfrüchten, passieren den Darm unverdaut. In diesem Kontext sollte man mal über die Vollwertideologie neu nachdenken. Oder über so Supplemente wie Traubenkernpolyphenole, für Nahrungsergänzungsleute der Schlüssel zur Unsterblichkeit. Da muß man erstmal klären, ob man es nicht mit Phytoestrogenen zu tun hat. Die meisten Ballaststoffe fachen die Darmflora an. Genauso die schwer verdauliche Stärke aus Hülsenfrüchten, die obendrein die allergenen Phytohämagglutinine enthalten. Wenn die Darmbarriere schwach ist, durch Unterzucker, Stress, erschöpfenden Sport, zuviel Milchsäure und zuwenig Buttersäure, gelangen die bakteriellen Endotoxine in den Körper und induzieren Serotonin und Estrogen. Beide interferieren mit der Energieproduktion. Ionisierende Strahlung wirkt synergistisch mit Serotonin, Estrogen und PUFA und führt zur andauernden Destabilisierung des Organismus. Geriebene Karotten haben eine natürliche antibiotische Wirkung und halten die Darmflora unter Kontrolle. Die Fasern binden ähnlich wie Aktivkohle Toxine und ziehen Estrogen aus dem Körper. Die Karotten sollte man allerdings ohne Öl zubereiten, damit das Carotin nicht aufgenommen wird. Carotin ist wegen der Doppelbindungen wie die PUFA ein Antimetabolit für die Schilddrüse. Für die Zufuhr von Vitamin A und vielen anderen Mikronährstoffen wie Molybdän, dem Chrom-Antagonist, sollte man 1x wöchentlich Kalbsleber essen. Entgegen der allgemeinen Vorstellung sollte man reichlich Zucker, am besten aus Früchten oder Honig essen. Ray Peat empfiehlt als Zucker- und Nährstoffquellen insbesondere Orangensaft und Milch. Milch enthält angereichert die wertvollen Bestandteile von Gras, also Protein, Calcium und Mikronährstoffe, sowie nennenswerte Mengen des protektiven Steroids Progesteron. Gelatine liefert reichlich von der Aminosäure Glycin, einem Antagonisten der excitotoxischen Aminosäuren, die im Stress überhand nehmen. Mit Rindergelatinepulver kann man effektiv den Neurostress eindämmen. Kaffee ist ein unterschätzter Nährstofflieferant. Allerdings muß man schauen, daß man nicht zuviel Vitamin B2 ausschwemmt. Gemüse sollte man wie Grünkohl immer gut kochen, um nicht zu sagen totkochen, um Allergene und Toxine zu zerstören. Pilze sind darauf spezialisiert, auf verrottender Materie zu wachsen, und sollten einige Adaptogene liefern, wie z.B. die Trehalose. In Ostasien sind Pilze deswegen weiter verbreitet.

F: Und wie viel Flüssigkeit soll man am Tag trinken?

A: Da gab es mal einen „Drink-Manager“, einen kleinen Kasten, der alle 15 Minuten Gluck-Gluck gemacht hat. Das war dann das Signal zum Wassertrinken. Aber Wasserüberschuß oder Hypotonie erhöht die Zellteilungsrate über die Produktion von Wachstumshormon, Estrogen und Prolactin, die à la longue Stresshormone sind, sowie von Polyaminen durch die Ornithin-Decarboxylase. Bei Normalbedingungen ständig 2 Liter Wasser trinken, um den Körper ordentlich "durchzuspülen“ ist möglicherweise kontraproduktiv. Gut, bei den Bodybuildern ist das Teil des Programms. Allerdings sind denen die Zusammenhänge und Folgen nicht klar. Man sollte sich am Bedürfnis orientieren. Tönnies hat aber darauf hingewiesen, daß bei Kupfer-Mangel bzw. Zink-Überschuß das Durstgefühl bei herabgesetztem Wassergehalt ausbleibt, besonders bei Senioren.

F: Da kommt mir die russische Medizinerin Galina Schatalowa in den Sinn. Sie hat für ihre Wüstendurchquerung nur 1 Liter Wasser am Tag benötigt. Im Vergleich dazu brauchten trainierte Sportler mindestens 10 Liter am Tag, um am Ende der Tour in schlechter Verfassung zu sein, was erstaunlich ist.

Michael. Deine Ausführungen sind wie immer ungemein spannend und zeigen wohl das „wahre“ Bild, abseits der simplifizierenden Mainstream-Ernährung. Besten Dank dafür. Möchtest Du abschließend noch etwas ergänzen?

A: Die sogenannte Lipid-Zellmembran, die ganz wesentlich für das platonistische Zellmodell ist, habe ich aus Zeitgründen heute ausgelassen. Das heben wir uns für ein anderes Mal auf.

Weil wir gerade beim Durchspülen waren, vielleicht noch etwas Wichtiges zum Thema Entgiften oder Detoxen, wie es jetzt in Mode ist. Dazu kursieren allerlei Kräuter und Kapseln. Den Schlüssel zum richtigen Verständnis von Entgiftung liefert ein Satz von Ray Peat: „Just raising the cellular energy excludes foreign material.”

F: Vielen Dank.

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